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Nach der holistischen Theorie und Weltsicht des Quantenphysikers David Bohm
ist in jedem existierenden Teilchen oder Feld auch immer das umfassende
Ganze enthalten. Eben genau so, wie es in einem Hologramm der Fall ist. Das
entspricht der spirituellen Sichtweise, nach der wir als Individuen auch das
Ganze, das Allumfassende in uns tragen, als ein Mikrokosmos durchdrungen vom
Makrokosmos. Es wird auch so beschrieben, dass wir in der Tiefe, im
Allerinnersten, auch das Alleräußerste sind, das All-Selbst.
Das, was sich in allem Leben am einfachsten als das Gemeinsame
identifizieren lässt, ist Wahrnehmung. In der Tiefendimension des Seins sind
wir reine Wahrnehmung, die auch nach wissenschaftlicher Erkenntnis nicht
zu trennen ist vom Wahrgenommenen. Wir sind das, wir sind das alles. In der
Tiefe sind wir Eins, wie es auch als essentielle spirituelle Einsicht
beschrieben wird.
Und wenn wir in der Tiefe Eins sind, wie es heißt, dann ist auch das Ich das
Eine, am Beginn und in der Folge. Mein Lehrer nannte es Transnarzissmus, ein
Überschreiten aller Grenzen, bis die tiefste Wahrheit sich zeigt. Also, Ich
bin das Alles, das Alles bin Ich. Ein umfassenderes Ich als das
Individuelle, nur scheinbar separierte Ich. Und dieses Eine, welches alles
umfasst, ist mit sich allein. All-Ein. Alle Gefühle, alles Handeln, alle
Existenz, alles Denkbare und Undenkbare sind Eigenschaften dieses Einen,
meiner letztendlichen Identität, deiner letztendlichen Identität. Ich bin
das Eine, bin DAS. Du bist das Eine, bist DAS. Und allein. Ich, in meinem,
in unserem tiefsten Einssein, bin allein.
Das Göttliche ist das Transzendente, ist das alle Grenzen Überschreitende,
ist das Grenzenlose, alles so genannte Gute, alles so genannte Böse findet
sich darin. Du und Ich und Gott und Alles sind eine Identität, sind das Gute
und auch das Böse. Das kann nur so sein, wenn ich die These vom
Einssein ernst nehme. Gut, böse sind gigantische fiktive Schubfächer,
Symbole im Raum unendlicher Mannigfaltigkeit, alle Kategorisierung ist
erfundener Begriff, um eine Wertigkeit zuzuordnen, nie kann sie der
Wirklichkeit gerecht werden.
Also, ich bin das alles und darin nicht verschieden von dir. Wenn ich mich
in dieses Gedankenspiel begebe, dahin, wo ich ungetrennt DAS bin, das Eine,
bin ich allein. Und da es das Gefühl von Einsamkeit in der Diversifizierung
des Einen gibt, ist es auch im Einen schon als Möglichkeit vorhanden. Ich
bin also allein, als das unfassbare Ursprüngliche, als der Geist der
Schöpfung und vielleicht auch einsam? Ich bin ja alles, auch Einsamkeit kann
ich sein. Habe ich deshalb begonnen mich zu teilen? In ein Vieles? Um
Beziehung herzustellen, ein Nicht-Alleinsein zu simulieren? Habe ich es
nicht mehr ausgehalten, in der Ewigkeit allein zu sein? Bestimmt, zu
existieren? Simuliere ich in mir Vielheit um Beziehung zu erleben,
Kommunikation herzustellen? War es Einsamkeit oder habe ich mich einfach nur
gelangweilt, oder etwas von Beidem?
Alle Begriffe werden sicher keiner Wirklichkeit gerecht, ich versuche nur,
mir vorzustellen, dass da ein unendliches kosmisches Wesen ist, es ist
einfach, es muss sein, es kann nicht: nicht sein. Es ist
Existenz, vielleicht auch als ungewolltes Los, vielleicht auch verdammt zu
existieren, weil Nicht-Existieren nicht geht. Und diese Kraft, dieses
Existierende, nenne ich es mal Geist, ist ewig. Ein unvorstellbarer Zustand,
denn jede gedachte Ewigkeit als eine Größe ist fast ein Nichts zur nächsten
weiteren Ewigkeit als eine gedachte Größe, diese ebenso, und das unendlich
weiter gedacht, anfangslos, endlos. Oder, ohne eine Zeit gedacht, ewige
Gegenwart. Aber ich kann nicht Nicht Sein, kann mich nicht auflösen, kann
nicht sterben, weil es Nichts nicht geben kann. So, nun erfinde ich etwas
gegen oder für mein Alleinsein, werde zum Schöpfer meiner Selbst und teile
mich innenwärts auf in das Viele, um mir ein Du oder unendliche Dus
vorzutäuschen, in mir Beziehung zu schaffen, scheinbar nicht mehr allein zu
sein. Und dann gibt es irgendwann einen Alexander, der keine Ahnung hat,
dass er eine Fiktion von Individuum, von Einzigem ist, das mit all den
anderen fiktiven Einzigen existiert.
Es ist wohl so, dass ich mein mir mögliches Verstehen oder ein Bild davon
auf etwas Unnennbares projiziere. Andererseits, beinhaltet die Ewigkeit
nicht auch Unendlichkeit, also auch unendliche Möglichkeiten? Alles und
wirklich alles könnte doch sein in einer Ewigkeit, die auch Unendlichkeit
ist? Oder auch: bin ich nicht Ausdruck, zumindest ein Ausdruck des
ganz Großen? Ist mein Alleinsein vielleicht Ausdruck der Unmöglichkeit des
Universums, nicht allein zu sein, auch mit aller Täuschung und
Selbstinszenierung? Ist meine Einsamkeit und deine Einsamkeit die Einsamkeit
des Universums? Des Geistes? Des All-Einen?
Darin fände sich dann so etwas wie ein Schöpfungsmotiv.
Das Einssein wird in verschiedenen buddhistischen Darstellungen absolute
Wahrheit genannt, wohingegen die Individuation, die Teilung in das Viele,
der so genannten Relativen Wahrheit zugeordnet ist. Was für mich dabei nicht
erkennbar oder zumindest nicht in die Aufmerksamkeit genommen ist, ist der
eigene wirkliche und umfassende Anteil an diesem Einen. Ich bin das. Und
zwar nicht abstrakt oder als gedankliches Konstrukt, sondern ganz physisch –
geistig substantiell. Ungetrennt. Das, was dieses Alles durchdringt, ist
auch das, was ich bin. Und doch habe ich als so genanntes Individuum dabei
die spezielle Eigenschaft, mich nur in sehr begrenzten Bereichen des
Bewusstseins innerhalb dieser Ganzheit zu erfahren. So, wie an einem
Luftballon durch Abdrehen ein kleiner Kindballon hängen würde.
Nur, da sich alles in ständigem Fluss verändert, sind auch diese Grenzen
eben fließend. Und es ist wohl die Sehnsucht des spirituellen Menschen,
diese Grenzen auszuweiten oder besser auch zu transzendieren. Ich bin das
Ganze, also möchte ich auch voll bewusst das Ganze werden oder sein. Ich
möchte in einen wirklichen erfahrbaren Kontakt zu dem Mysterium meiner
Ganzheit gelangen. Das wäre aus meiner Sicht so ein evolutionäres Ziel der
Schöpfung: Selbsterkenntnis des einen Gottes, des einen Göttlichen, des
Einen eben. Mich ganz kennen zu lernen, der eine Geist in allen Lebensformen
sein. Und jede, jeder sind das und wir begegnen uns darin und erkennen uns
darin zunehmend als das eine Wesen. Und das wäre dann Liebe, die universelle
Formel für alles.
Alexander, März 2026
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