Du bist die Antwort.
Du bist der Wunsch
Du bist die ferne Seele
getrieben durch die Nacht.
Durch die Nacht – zu mir!

Ich bin deine Frage.
Ich bin deine Bitte.
Ich bin die ferne Seele
getrieben durch die Nacht.
Durch die Nacht – zu dir!

Viel früher warst du schon da.
Als Sehnen in meinem Herz.
Du kamst als Bild in meine Träume.
Ich kannte dich schon.
Im Klang mancher Lieder
hörte ich deine Stimme.
Der Wind erzählte mir
von deinen Händen.
Du warst in mir,
lange bevor ich dich traf.








 


 

 

 

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Nach der holistischen Theorie und Weltsicht des Quantenphysikers David Bohm ist in jedem existierenden Teilchen oder Feld auch immer das umfassende Ganze enthalten. Eben genau so, wie es in einem Hologramm der Fall ist. Das entspricht der spirituellen Sichtweise, nach der wir als Individuen auch das Ganze, das Allumfassende in uns tragen, als ein Mikrokosmos durchdrungen vom Makrokosmos. Es wird auch so beschrieben, dass wir in der Tiefe, im Allerinnersten, auch das Alleräußerste sind, das All-Selbst.
Das, was sich in allem Leben am einfachsten als das Gemeinsame identifizieren lässt, ist Wahrnehmung. In der Tiefendimension des Seins sind wir reine Wahrnehmung, die auch nach wissenschaftlicher Erkenntnis nicht zu trennen ist vom Wahrgenommenen. Wir sind das, wir sind das alles. In der Tiefe sind wir Eins, wie es auch als essentielle spirituelle Einsicht beschrieben wird.
Und wenn wir in der Tiefe Eins sind, wie es heißt, dann ist auch das Ich das Eine, am Beginn und in der Folge. Mein Lehrer nannte es Transnarzissmus, ein Überschreiten aller Grenzen, bis die tiefste Wahrheit sich zeigt. Also, Ich bin das Alles, das Alles bin Ich. Ein umfassenderes Ich als das Individuelle, nur scheinbar separierte Ich. Und dieses Eine, welches alles umfasst, ist mit sich allein. All-Ein. Alle Gefühle, alles Handeln, alle Existenz, alles Denkbare und Undenkbare sind Eigenschaften dieses Einen, meiner letztendlichen Identität, deiner letztendlichen Identität. Ich bin das Eine, bin DAS. Du bist das Eine, bist DAS. Und allein. Ich, in meinem, in unserem tiefsten Einssein, bin allein.
Das Göttliche ist das Transzendente, ist das alle Grenzen Überschreitende, ist das Grenzenlose, alles so genannte Gute, alles so genannte Böse findet sich darin. Du und Ich und Gott und Alles sind eine Identität, sind das Gute und auch das Böse. Das kann nur so sein, wenn ich die These vom Einssein ernst nehme. Gut, böse sind  gigantische fiktive Schubfächer, Symbole im Raum unendlicher Mannigfaltigkeit, alle Kategorisierung ist erfundener Begriff, um eine Wertigkeit zuzuordnen, nie kann sie der Wirklichkeit gerecht werden.
Also, ich bin das alles und darin nicht verschieden von dir. Wenn ich mich in dieses Gedankenspiel begebe, dahin, wo ich ungetrennt DAS bin, das Eine, bin ich allein. Und da es das Gefühl von Einsamkeit in der Diversifizierung des Einen gibt, ist es auch im Einen schon als Möglichkeit vorhanden. Ich bin also allein, als das unfassbare Ursprüngliche, als der Geist der Schöpfung und vielleicht auch einsam? Ich bin ja alles, auch Einsamkeit kann ich sein. Habe ich deshalb begonnen mich zu teilen? In ein Vieles? Um Beziehung herzustellen, ein Nicht-Alleinsein zu simulieren? Habe ich es nicht mehr ausgehalten, in der Ewigkeit allein zu sein? Bestimmt, zu existieren? Simuliere ich in mir Vielheit um Beziehung zu erleben, Kommunikation herzustellen? War es Einsamkeit oder habe ich mich einfach nur gelangweilt, oder etwas von Beidem?
Alle Begriffe werden sicher keiner Wirklichkeit gerecht, ich versuche nur, mir vorzustellen, dass da ein unendliches kosmisches Wesen ist, es ist einfach, es muss sein, es kann nicht: nicht sein. Es ist Existenz, vielleicht auch als ungewolltes Los, vielleicht auch verdammt zu existieren, weil Nicht-Existieren nicht geht. Und diese Kraft, dieses Existierende, nenne ich es mal Geist, ist ewig. Ein unvorstellbarer Zustand, denn jede gedachte Ewigkeit als eine Größe ist fast ein Nichts zur nächsten weiteren Ewigkeit als eine gedachte Größe, diese ebenso, und das unendlich weiter gedacht, anfangslos, endlos. Oder, ohne eine Zeit gedacht, ewige Gegenwart. Aber ich kann nicht Nicht Sein, kann mich nicht auflösen, kann nicht sterben, weil es Nichts nicht geben kann. So, nun erfinde ich etwas gegen oder für mein Alleinsein, werde zum Schöpfer meiner Selbst und teile mich innenwärts auf in das Viele, um mir ein Du oder unendliche Dus vorzutäuschen, in mir Beziehung zu schaffen, scheinbar nicht mehr allein zu sein. Und dann gibt es irgendwann einen Alexander, der keine Ahnung hat, dass er eine Fiktion von Individuum, von Einzigem ist, das mit all den anderen fiktiven Einzigen existiert.

Es ist wohl so, dass ich mein mir mögliches Verstehen oder ein Bild davon auf etwas Unnennbares projiziere. Andererseits, beinhaltet die Ewigkeit nicht auch Unendlichkeit, also auch unendliche Möglichkeiten? Alles und wirklich alles könnte doch sein in einer Ewigkeit, die auch Unendlichkeit ist? Oder auch: bin ich nicht Ausdruck, zumindest ein Ausdruck des ganz Großen? Ist mein Alleinsein vielleicht Ausdruck der Unmöglichkeit des Universums, nicht allein zu sein, auch mit aller Täuschung und Selbstinszenierung? Ist meine Einsamkeit und deine Einsamkeit die Einsamkeit des Universums? Des Geistes? Des All-Einen?
Darin fände sich dann so etwas wie ein Schöpfungsmotiv.

Das Einssein wird in verschiedenen buddhistischen Darstellungen absolute Wahrheit genannt, wohingegen die Individuation, die Teilung in das Viele, der so genannten Relativen Wahrheit zugeordnet ist. Was für mich dabei nicht erkennbar oder zumindest nicht in die Aufmerksamkeit genommen ist, ist  der eigene wirkliche und umfassende Anteil an diesem Einen. Ich bin das. Und zwar nicht abstrakt oder als gedankliches Konstrukt, sondern ganz physisch – geistig substantiell. Ungetrennt. Das, was dieses Alles durchdringt, ist auch das, was ich bin. Und doch habe ich als so genanntes Individuum dabei die spezielle Eigenschaft, mich nur in sehr begrenzten Bereichen des Bewusstseins innerhalb dieser Ganzheit zu erfahren. So, wie an einem Luftballon durch Abdrehen ein kleiner Kindballon hängen würde.

Nur, da sich alles in ständigem Fluss verändert, sind auch diese Grenzen eben fließend.  Und es ist wohl die Sehnsucht des spirituellen Menschen, diese Grenzen auszuweiten oder besser auch zu transzendieren. Ich bin das Ganze, also möchte ich auch voll bewusst das Ganze werden oder sein. Ich möchte in einen wirklichen erfahrbaren Kontakt zu dem Mysterium meiner Ganzheit gelangen. Das wäre aus meiner Sicht so ein evolutionäres Ziel der Schöpfung: Selbsterkenntnis des einen Gottes, des einen Göttlichen, des Einen eben. Mich ganz kennen zu lernen, der eine Geist in allen Lebensformen sein. Und jede, jeder sind das und wir begegnen uns darin und erkennen uns darin zunehmend als das eine Wesen. Und das wäre dann Liebe, die universelle Formel für alles.

Alexander, März 2026