z u r ü c k :

s p i r i t  
  

Über alles hinaus

Im Staunen über alle Form

Sehe ich in meinen Händen:

Ich bin darin und in mir,

Körper und doch alles darüber hinaus

Und darin hinein.                                                                        


Wenn wir in der Tiefe Eins sind, wie es heißt, dann bin ich das Eine am Ende

und am Beginn. Mein Lehrer nannte es Transnarzissmus, ein Überschreiten

aller Grenzen, bis die tiefste Wahrheit sich zeigt. Also, ich bin das Alles, das

Alles bin Ich. Ein anderes Ich, als das Individuelle, separierte Ich. Aber wenn

alles das Eine ist, es im Tiefsten nur das Eine gibt, ist es allein, All-Ein. Dann

sind auch alle Gefühle, alles Handeln, alle Existenz, alles Denkbare und

Undenkbare Eigenschaften dieses Einen, meiner Identität, deiner Identität.

Ich bin das Eine, bin DAS. Du bist das Eine, bist DAS. Und allein. Ich, in

meinem , in unserem  tiefen Einssein, bin allein. Das Göttliche ist das

Transzendente, ist das alle Grenzen Überschreitende, ist das Grenzenlose,

alles so genannte Gute, alles so genannte Böse findet sich darin. Ich und

Gott und Alles sind eine Identität, sind das Gute und auch das Böse. Das

kann
nur so sein, wenn ich die These vom Einssein ernst nehme. Gut, Böse

sind hier nur gigantische fiktive Schubfächer, Symbole für unendliche

Mannigfaltigkeit, alle Kategorisierung ist erfundener Begriff, um eine

Wertigkeit zuzuordnen, nie kann sie der Wirklichkeit gerecht werden.  Also,

ich bin das alles und darin nicht verschieden von dir. Wenn ich mich in

dieses Gedankenspiel begebe, dahin, wo ich ungetrennt DAS bin, das Eine,

bin ich allein. Und da es das Gefühl von Einsamkeit in der Diversifizierung

des Einen gibt, ist es auch im Einen schon als Möglichkeit vorhanden. Ich bin

also allein, als das Gigantisch Ursprüngliche, als der Geist der Schöpfung

und vielleicht auch einsam? Ich bin ja alles, auch Einsamkeit kann ich sein.

Habe ich deshalb begonnen mich zu teilen? In ein Vieles? Um Beziehung

herzustellen, ein nicht Alleinsein zu simulieren? Habe ich es nicht mehr

ausgehalten, in der Ewigkeit allein zu sein? Bestimmt zu existieren?

Simuliere ich in mir Vielheit um Beziehung zu erleben, Kommunikation

herzustellen? War es Einsamkeit oder habe ich mich einfach nur

gelangweilt, oder etwas von Beidem? Diese Begriffe werden sicher

ebenfalls keiner Wirklichkeit gerecht, ich versuch nur, mir vorzustellen, dass

da ein unendliches kosmisches Wesen ist, es ist einfach, es muss sein, es

kann nicht: nicht sein. Es ist Existenz, vielleicht auch als ungewolltes Los,

vielleicht auch verdammt zu existieren, weil nicht existieren nicht geht. Und

diese Kraft, dieses Existierende, nenne ich es mal Geist, ist ewig. Ein

unvorstellbarer Zustand, denn jede gedachte Ewigkeit als eine Größe ist

fast ein Nichts zur nächsten weiteren Ewigkeit als eine gedachte Größe,

diese ebenso, und das unendlich weiter gedacht, anfangslos, endlos. Oder,

ohne eine Zeit gedacht, ewige Gegenwart. Aber ich kann nicht Nicht Sein,

kann mich nicht auflösen, kann nicht sterben, weil es Nichts nicht geben

kann. So, nun erfinde ich etwas gegen oder für mein Alleinsein, werde zum

Schöpfer meiner Selbst und teile mich innenwärts auf in das Viele, um mir

ein Du oder unendliche Dus vorzutäuschen, in mir Beziehung zu schaffen,

scheinbar nicht mehr allein zu sein. Und dann gibt es irgendwann einen

Alexander, der keine Ahnung hat, dass er eine Fiktion von Individuum, von

Einzigem ist, das mit all den anderen fiktiven Einzigen existiert.



Ich sehe schon, dass ich mein mir mögliches Verständnis oder eine Variation

davon auf das Universum projiziere. Andererseits beinhaltet die Ewigkeit

nicht auch Unendlichkeit, also auch unendliche Möglichkeiten? Alles und

wirklich alles könnte doch sein in einer Ewigkeit, die auch Unendlichkeit ist?

Oder auch: bin ich nicht Ausdruck, zumindest ein Ausdruck des ganz

Großen? Ist mein Alleinsein vielleicht Ausdruck der Unmöglichkeit des

Universums, nicht allein zu sein, auch mit aller Täuschung und

Selbstinszenierung? Ist meine Einsamkeit und deine Einsamkeit die

Einsamkeit des Universums? Des Geistes? Des All-Einen?



März 2026